Archäologie.com - Nachrichten aus der archäologischen Forschung

Nachrichten aus der archäologischen Forschung

Ägyptische Hieroglyphen Jerash Jordanien Röische Helme Stonehenge

Schwäbische Alb

Foto: RTF.1
Spatenstich für Heidengrabenzentrum

Sie gelten als schriftlose Hochkultur: Die Kelten. Sie siedelten in der Eisenzeit im heutigen Baden-Württemberg und weit darüber hinaus. Die Kelten waren gut mit dem Mittelmeerraum vernetzt und bauten Städte, die als Oppidum bezeichnet werden. Dort wo heute die Region Neckar-Alb auf die Region Stuttgart trifft, auf dem Gebiet der Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben lag das größte keltische Oppidum auf dem europäischen Kontinent: die Elsachstadt, auch bekannt als Heidengraben. Um diese für Besucher erlebbar zu machen, sollen hier ein Informationszentrum und ein Aussichtsturm entstehen. Am Donnerstag war Spatenstich.

Der Heidengraben auf der Albhochfläche: Dass hier in der Eisenzeit ein großes religiöses, politisches und wirtschaftliches Zentrum lag, davon künden nur spärliche Überreste wie ein rekonstruiertes Zangentor bei Erkenbrechtsweiler, Grabhügel am Burrenhof und Überreste des Befestigungswalls, des eigentlichen Heidengrabens. "Die Kelten haben leider sehr vergängliche Baustoffe gehabt", erklärt der Grabenstetter Bürgermeister Roland Deh, zugleich Vorsitzender des Zweckverbandes Region am Heidengraben. "Sie haben nur meistens mit Holz gebaut, das ist weg - Rom mit Stein, da steht noch was." Deshalb soll das Heidengrabenzentrum alle informieren, die daran interessiert sind.

Zusätzlich zum Besucherzentrum soll auch ein Aussichtsturm entstehen. Zusammen mit dem bereits bestehenden Kelten-Erlebnis-Pfad sollen sie die Welt der Kelten für Touristen und Geschichtsbegeisterte anschaulich machen. "Wer waren die Leute? Wie haben sie gelebt?" so Roland Deh. "Mit wem haben sie Handel getrieben? Wie hat die Landwirtschaft ausgesehen? Wie war die Verknüpfung in die Umgebung? Das sind alles Themen, die wir darstellen möchten, und das wird die Ausstellungsplanung, die jetzt auch erarbeitet wird, parallel steht ja dran, wer es macht, und wir werden es parallel jetzt entwickeln und werden das auch natürlich mit unserem Verwaltungsrat begleiten."

Pläne für ein Heidengrabenzentrum gibt es schon seit vierzehn Jahren. Doch mit Keltenkonzeption des Landes Baden-Württemberg hatten die Planungen an Fahrt aufgenommen. Staatssekretärin Petra Olschowski ist im Auftrag von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für diese Keltenkonzeption zuständig. Für sie gehört der Heidengraben neben der Heuneburg und dem Keltengrab bei Hochdorf zu den herausragenden Keltenorten im Land. "Es ist jetzt das erste Projekt, das richtig auf den Weg gebracht wird innerhalb der Keltenkonzeption", so Olschowski. "Es geht uns darum, die unterschiedlichen Keltenstätten in Baden-Württemberg für das Publikum erlebbar zu machen und besser sichtbar zu machen. Und da ist er Heidengraben aufgrund seiner Einzigartigkeit als großes Oppidum ganz, ganz wichtig,"

Die Zahl der Akteure, die am Spatenstich beteiligt waren, war groß und reichten von der Gemeinde- bis zur Bundesebene. Das Land unterstützt das Projekt mit 1,75 Millionen Euro, der Bund mit zwei Millionen Euro. Insgesamt kostet das Heidengrabenzentrum 4,9 Millionen Euro. "Wir sind hier ja an der Grenze vom Landkreis Esslingen zum Landkreis Reutlingen, der Regierungsbezirk Stuttgart grenzt an den Regierungsbezirk Tübingen, und das ist dann einfach auch Job des Fraktionsvorsitzenden der größten Landtagsfraktion, alle an einen Tisch zu holen", sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Andreas Schwarz.

Wer das neue Heidengrabenzentrum besuchen will, braucht noch ein wenig Geduld. Bis Frühjahr oder Sommer 2024 soll das Gebäude fertig sein.


Nachrichten aus der Region Neckar-Alb

Foto: pixabay.com
Vögel bereicherten den Speiseplan der Neandertaler | Unsere Verwandtschaft war klüger als gedacht Die Neandertaler waren klüger als gedacht: Dass unsere Verwandtschaft in der Mittleren Altsteinzeit, vor mehr als 65.000 Jahren, auf der Schwäbischen Alb Großwild wie Rentiere, Wildpferde oder Wollnashörner jagten, gilt als gesichert. Die Jagd auf flinke Kleintiere wie Schneehühner oder Schneehasen wurde den Neandertalern aber lange nicht zugetraut. Jetzt hat das Team um Professor Nicholas Conard (Universität Tübingen) Belege für die Vogeljagd gefunden:
Foto: RTF.1
Universität verleiht Barbara-Scholkmann-Preis Die Uni Tübingen hat gestern Abend den Barbara-Scholkmann-Preis für Historische Archäologie verliehen, und zwar an Katja Grüneberg-Wehner und Dr. Luisa Radohs.
Foto: RTF.1
Frühe Steinwerkzeuge möglicherweise spontan entstanden Bisher ist die Forschung davon ausgegangen, dass die menschliche Kultur vor 2,6 Millionen Jahren zeitgleich mit dem Auftreten der frühesten Steinwerkzeuge entstanden ist. Das haben jetzt Archäologen der Universität Tübingen durch ein Experiment in Frage gestellt.

Weitere Meldungen